Agni – was ist das?

Der Begriff Agni stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie Verdauungsfeuer.

Insgesamt gibt es 13 verschiedene Arten von Agni im menschlichen Körper.
Das Hauptfeuer, genannt Jatharagni, stellt den primären Stoffwechsel dar. Dieses hat seine Lage im gastrointestinalen Trakt des Magens, Ameshaya, bis hin zum Ende des Dünndarms, Grahani.

Sechs wichtige Aufgaben werden vom Jatharagni übernommen, die da wären:

  1. Verdauung der Nahrung. Hier wird zwischen zwei Aspekten unterschieden: Der gastrointestinalen Verdauung, Awastha Paka, und der weiteren Verdauung, Vipaka. Ayurveda betrachtet hierbei sowohl das spaltende Enzym des Speichels, Ptyalin, als auch die Pepsin-Mischung, welche Eiweiße spaltet, sowie den Magensaft, die Galle und den Bauchspeichel als Bestandteile von Jatharagnis.

  2. Trennung zwischen Nährstoffen und Abfallprodukten: Man nennt diese Spaltung Sara-Kitta-Vibhajana. Sie findet im Dünndarm, sowie im Dickdarm statt.

  3. Kontrolle von Sekretion: Dadurch, dass das Jatharagni regionale Einflüsse auf die Hormone ausübt, kann es die Produktion sowie Ausscheidung von Verdauungssäften mit beeinflussen.

  4. Kontrolle über die anderen Arten von Agni: Das Jatharagni vermag es, die anderen Unterarten der biologischen Feuer zu beeinflussen.

  5. Kontrolle über Pitta: Das Pitta Dosha (Zusammenschluss von Feuer und Wasser) ist eng mit dem Agni verbunden. Man kann sagen, solange das Jatharagni in ausgeglichenem Zustand befindet (Sama Agni), ist auch das Pitta im Gleichgewicht.

  6. Regulation der Körpergewebe (Dhatus): Solange das Jatharagni in normaler Weise und in seinen physiologischen Grenzen funktioniert, bleibt auch die Norm von Verdauung und Stoffwechsel vorhanden. Jedoch kann das Jatharagni durch die Doshas gestört werden und dadurch zu pathologischen Zuständen und damit zu Ama-Bildung (Schlacken) führen.

 

Dazu kommen 5 Bhutagnis, die elementspezifischen Agnis:

 

1) Parthiva – biologisches Feuer für die Verdauung des Erd-Elements

2) Apya – biologisches Feuer für die Verdauung des Wasser-Elements

3) Agneya – biologisches Feuer für die Verdauung des Feuer-Elements

4) Vayavya – biologisches Feuer für die Verdauung des Wind-Elements

  1. Nabhas – biologisches Feuer für die Verdauung des Äther-Elements

 

 

Zusätzlich sorgen die Dhatwagnis für einen funktionierenden gewebespezifischen Stoffwechsel: 



1)
Rasagni – biologisches Feuer des Plasma

2) Raktagni – biologisches Feuer des Blutes
3)
Mamsagni – biologisches Feuer des Muskelgewebes
4)
Medagni – biologisches Feuer des Fettgewebes
5)
Asthyagni – biologisches Feuer des Knochengewebes
6)
Majjagni – biologisches Feuer des Nerven-/ Knochenmarkgewebes

7) Shukragni – biologisches Feuer des Fortpflanzungsgewebes

Je nach Funktionalität kann man das Agni in vier Kategorien einteilen:

1) Manda Agni = mildes/ schwaches Feuer. Diese Art Agni herrscht vornehmlich bei Kapha-dominanten Konstitutionen vor.


2) Vishama Agni = unausgeglichenes Feuer, arbeitet mal besser, mal schlechter… Diese Form ist hauptsächlich bei Vata-dominanten Konstitutionen zu finden.


3) Theeksna Agni = scharfes/ intensives Feuer. Man findet Theeksna Agni besonders bei ausgeprägten Pitta-Konsitutionen.

4) Sama Agni = ausgeglichenes Feuer. Es bezeichnet den Normalzustand des Verdauungsfeuers und impliziert ein normales Arbeiten bei angemessener Ernährung. Gestört werden kann es durch unpassende Nahrungsmittelkombinationen oder andere Fehler in der Ernährung.